Linux - Fenster zur Welt: Zur Zukunft des Intern…

fensterptgrund, warum Linux das Monopol auf dem Desktop nicht brechen
kann, ist rechtlicher Natur: Lizenzen. Es gibt z.B. keine
Möglichkeit, legal einen Open-Source-DVD-Player zu implementieren;
ebenso sind viele Audio- und Video-Codecs durch Patente geschützt,
ihre Neuimplementierung auf Linux ist somit nur unter Mißachtung der
Patente möglich. Für den Heimuser, der Ahnung von der Materie hat,
ist das kein Problem, es gibt immer noch genug Staaten auf diesem
Planeten, wo derartige Programme legal sind, die trägt man sich dann
eben in der Adreßliste der Paketverwaltung ein, läßt einmal das
Software-Update laufen, und schon hat man’s. Das Problem ist, daß
viele Leute technisch nicht so firm sind. Welcher Autofahrer
repariert und wartet sein Auto selbst? Die Mehrheit der User erwartet
eine Maschine, die man kauft, anschließt und einschaltet. Alles soll
vorinstalliert sein, daß es richtig läuft, und das ist eben mit Linux
aus rechtlichen Gründen nicht möglich.
Ach ja, Spiele, Spiele, Spiele. Es gibt kaum aktuelle Spiele für
Linux, die meisten Labels scheuen die Kosten, die mit Portierung und
Support verbunden sind, weil die Userbase sehr klein ist. Linux-User
haben eben doch noch meist ein Windows parallel installiert, für
Spiele (habe ich ja auch), und bringen ältere Windows-Spiele mit Wine
zum Laufen. Der Hauptgrund, warum es oft mit viel Herumprobieren und
Bastelarbeit verbunden ist, Windows-Software, speziell Spiele, unter
Wine zu installieren, ist, daß die Spiele oft mit nervigen DRMs
kommen, die man erst aufwendig austricksen muß, daß sie das neueste
DirectX verwenden, das bei Wine noch nicht richtig nachgebaut ist,
daß die Emulation der Windows-APIs Rechenzeit frißt und die Spiele
dadurch langsamer werden etc.
Solange diese Probleme nicht angegangen werden, wird Linux nie die
Kurve kriegen. Es muß legal möglich sein, Rechner mit
vorinstalliertem Linux auszuliefern, die alle Multimediainhalte
abspielen können, selbst wenn das bedeutet, daß die Geschäftsmodelle
einiger Firmen zusammenbrechen, es muß ebenso möglich sein, alle
Windows-Programme zu benutzen, selbst wenn das die technischen
Maßnahmen gegen Raubkopien komplett aushebelt, und Spiele-Hersteller
müssen davon überzeugt werden, offene APIs wie OpenGL und SDL zu
verwenden, die nicht nur unter Windows, sondern auch unter Linux
nativ verfügbar sind. Wenn die Portierung eines Spiels praktisch nur
noch aus der Neukompilierung des Quellcodes auf einer anderen
Plattform besteht, dann sinken die Kosten so enorm, daß es keinen
Sinn mehr hat, NICHT für Linux zu entwickeln.
Wir brauchen also die gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit die
Herstellung von Kompatibilität und Interoperabilität für
Open-Source-Software grundsätzlich legal wird, auch wenn dabei
Lizenzen und Patente mißachtet werden, und wir brauchen eine
Institution, die freie APIs mit enorm viel Energie weiterentwickelt,
um eine ebensogroße Funktionalität wie unter Windows herzustellen,
optimalerweise größer. Es müßte eine neue OpenGL-Version geben, die
alles kann, was Direct3D 10 auch kann, und noch mehr, sowie eine
große Anzahl verfügbarer Spiele-Engines unter GPL oder vergleichbaren
Lizenzen, welche auf dem gleichen technischen Stand sind wie die
proprietäre Konkurrenz, dann könnte sich die Spieleindustrie erstens
wieder vermehrt um die künstlerische Seite ihrer Werke kümmern, da
das technische Framework frei verfügbar wäre, und zweitens gäbe es
dann prinzipiell alle Spiele auf allen Plattformen, die die nötigen
Hardware-Voraussetzungen haben, weil die Portierung der Software
trivial wäre.

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