Andere Ziele - Den Strahl im Fenster bet’ ich an

> > Verstehe nur ich das so, daß er damit geradezu zugegeben hat (durch
> > explizites Nicht-Verneinen), daß es zu Folterungen kommt?
>
> In den von dir eingestellten Zitaten ist von Folter nicht die Rede,
> sondern von exzessiver Gewalt. Etwa so, wie wenn vier weiße
> Polizisten eine schwarzen Falschparker krankenhausreif prügeln. Das
> ist ein übles Verbrechen und nicht direkt die Art von Folter, wie
> wenn Saddam Hussein irgendwen (wahrscheinlich nichtswürdige
> Imperialisten- und Zionistenkollaborateure) in seinen Kerkern über
> Tage und Wochen zu blutigen Stücken malträtierte - Zangen,
> Elektrokabel, du könntest einiges darüber wissen, wenn es dich
> interessierte.
Ich bin nicht ganz sicher, wie offiziell “Folter” definiert ist. Ab
wann ist es “nur” exzessive Gewalt, und wann Folter? Gibt es da
Richtwerte? Mal kurz mit dem Elektroschocker, zwei, drei
Faustschläge, eine ausgedrückte Zigarette - das ist noch Gewalt? Und
wenn es zwei Tage dauert ist es Folter? Ich wette da gibt es
Definitionen, aber darum geht es mir gar nicht.
Wir stimmen zumindest darin überein, daß - unabhängig von der
Benennung - solche Taten verabscheuungswürdig sind, insbesondere wenn
sie an eigentlich Schutzbefohlenen (sprich: Gefangenen) verübt
werden, die sich u.U. (würde erschwerend hinzukommen) nicht wehren
können, weil sie gefesselt, verletzt, schwach etc. sind. OK.
> (Folter geht völkerrechtlich übrigens völlig in
> Ordnung, keine Frage, alles im grünen Bereich - mit den eigenen
> Leuten darf jeder Diktator nach Belieben verfahren, nicht wahr? Wer
> diese Praxis beendet, ist ein viel schlimmerer Verbecher. Ist es
> nicht so?)
Nein, nicht zwangsläufig. Aber wenn die “Befreier” dann auch nicht
rechtschaffender agieren, wie der Diktator, ist der Vergleich
erlaubt. Halt, nein, das kann man jetzt falsch verstehen. Ich will
damit nicht sagen, daß die USA die gleichen Greul verbreitet, wie
Saddam. Dennoch wird ein Gefangener im Irak oder auf Kuba nicht
menschwürdig behandelt. Er wird zwar nicht mehr in einem dunkeln
Kerker gefoltert, alles ist jetzt sauberer, damit diese Assoziationen
nicht aufkommen. Wenn man sie aber ohne Anklage festhält und ihnen
den Kontakt zur Welt verbietet, gilt das in demokratischen (und auch
in nicht-demokratischen) Länder als Menschenrechtsverletzung. Mag
sicher angenehmer sein, als mit spitzen Nadeln gefoltern zu werden,
aber OK ist es deshalb noch lange nicht.
> > OK, “Gesetze des Krieges”. Klingt wie damals im Wilden Westen. Also etwa
> > “Naja, Johnsons Platoon hat schon 12 Mann verloren, er wurde 3x
> > angeschossen, da kann man das schon verstehen, oder, daß er sich mal
> > Luft machen mußte. Und dann brachten sie diesen Ali mit der
> > Klaschnikov rein….”
>
> Sogar GIs scheinen Menschen zu sein mit entsprechenden Schwächen oder
> Defekten. Es wundert mich nicht, dass solche Probleme auch in der
> amerikanischen Armee auftauchen - man kennt sie aus anderen.
Und man hat sie zu vermeiden. Natürlich sind auch Soldaten Menschen,
und haben daher auch Probleme. Aber wenn ein Soldat nicht von Krieg
auf Frieden, von Kombattant auf Nichtkombattant umschalten kann, ist
er aus dem Verkehr zu ziehen. Wenn er ein Verbrechen begeht, muß er
dafür bestraft werden. Exzessive Gewalt an Gefangenen ist für mich
ein Verbrechen, solange nicht erwiesenermaßen aus Notwehr gehandelt
wurde. Das mag sehr schwer umzusetzen sein, es ist auch sicherlich
nicht völlig zu vermeiden, aber es darf nicht unter den Teppich
gekehrt werden. Wenn die Soldaten nicht entsprechend ausgebildet
sind, wozu auch eine psychologische Schulung gehört, haben sie da nix
zu suchen. Ich laß mich beim Arzt ja auch nicht von einem
Medizinstudenten im 1. Semester verarzten und nachher heißt es “naja,
sie müssen das verstehen, er wußte das eben nicht”.
> Oder red ich grad an dir vorbei, weil du glaubst, dass die US-Armee
> entsprechende Tagesbefehle ausgibt, ähnlich der SS oder der
> Wehrmacht?
Das glaube ich nicht. Aber es werden die Vorschriften gerne mal etwas
vergessen. Wenn der Vorgesetze z.B. Mitleid mit einem Soldaten hat,
der gerade ausgetickt ist (hat u.U. seinen Freund verloren oder seine
Frau hat ihn verlassen, what ever…) und das dann eben nicht meldet.
Das darf nicht passieren. Auch wenn er einen gaaanz bösen
Vergewaltiger verprügelt hat, was ich vermutlich auch ohne Reue tun
würde, darf man sich als Exekutive so etwas nicht leisten. Man darf
das Recht nicht in die eigenen Hände nehmen, denn sonst macht das
jeder und fertig ist das Chaos. Dann wären wir wieder im Darwinismus.
Toll.
> > Noch besser ist aber der nächste Teil:

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