re - Den Strahl im Fenster bet’ ich an
> Wie es aber zu diesen Zuständen, Anschlägen usw. kommt, ist dir
> scheinbar entgangen.
> Argumente von wegen die Amis haben den Diktator enthront kannst du
> dir schenken. Wer hat denn diesen Mann aufgebaut und unterstützt?
Zuallererst die irakischen Baathisten.
> Welcher Länder haben denn Waffen an den Irak geliefert?
Die Franzosen (Ozirak, Mirages, Geld), die Sowjetunion (bald
sämtliches Großgerät der irakischen Armee, Panzer, Artillerie,
Flugzeuge, Geld), die Deutschen (Raketen- und Chemietechnik), die
Amerikaner (Logistik, Geld), etc.
Verlange nicht von mir, nur den amerikanischen Beitrag zu sehen. Das
muß ich denen überlassen, die solches für ‘kritisches Denken’ halten.
> Und welche Länder haben dafür gesorgt, daß ein völlig nutzloses Embargo
> jahrelang aufrecht erhalten wurde?
Die Amerikaner. Der Errichtung dieses Embargos haben die anderen
SR-Mächte zugestimmt. Ohne diese Zustimmung kein Embargo. Dass es
dann nicht möglich war, das Embargo per Mehrheitsbeschluß wieder zu
beenden, wirft ein bezeichnendes Licht auf die unzulänglichen
Strukturen der Vereinten Nationen.
> Allein daran kannst du sehen (okay, könntest du sehen, wenn du denn
> wölltest), daß es den Amis nicht um die Iraker ging/geht.
Hab ich das behauptet? Ich glaube nicht. Das hindert mich aber nicht
daran, für die Menschen im Irak nach dem Sturz Saddams bessere
Chancen für die Zukunft zu sehen als zuvor. Darin unterscheide ich
mich wohl von den meisten hier - und einige delektieren sich ja
geradezu an den Blutbädern des sogenannten Widerstands.
> Also nochmal kurz zusammengefasst:
>
> - Erst unterstützt man einen Diktator und baut ihn auf.
>
> -Dann führt man einen Krieg gegen diesen Diktator.
Ich habe oben bereits ausgeführt, warum ich mir diese etwas
vereinfachende und die Tatsachen recht grob verdrehende Sicht nicht
zu eigen mache. Die Amerikaner haben Hussein nicht “aufgebaut”. Wer
nicht zwischen Zusammenarbeit (die kritikwürdig genug wäre und die
von vielen betrieben wurde) und Aufbau unterscheiden kann, sollte
sich mit diesem Themenkomplex noch einmal beschäftigen.
Sie haben auch nicht einfach so Krieg gegen den Diktator geführt. Der
Überfall auf Kuwait ist heute in den ‘kritischen’ Köpfen nicht mehr
präsent, und falls doch, so wird behauptet, die damalige Feststellung
der Amerikaner, zu innerarabischen (Grenz)Konflikten keine Meinung zu
haben, sei eine Einladung zum Krieg gewesen (und habe dem Zweck
gedient, Saddam anzugreifen, und… so weiter. Es haben sich
inzwischen mehrere Schichten von Legenden gebildet, die alle darauf
hinaus laufen sollen, dass, warum auch immer, die Amerikaner schon
vor zwanzig Jahren den Irak besetzen wollten. Die Motivation der USA
beschränkt sich in diesen Legenden auf “Öl” und wird natürlich
negativ bewertet. Die Legendenerzähler kommen sich dabei sehr klug
vor.)
> - Danach verhängt man ein Embargo was ausschließlich die “normalen”
> Irakis trifft.
Nicht “man”, sondern die Heiligen Vereinten Nationen.
Und natürlich trifft dies die einfachen Irakis, wie immer. Die Frage
ist, wie reagiert man auf eine Sache wie die Besetzung Kuwaits durch
den Irak? Mit Krieg? Mit Sanktionen? Gar nicht?
> -Dann führt man noch einen Krieg und behauptet, man wolle den
> Diktator stürzen und das Volk befreien. (Außerdem, das wollen wir
> nicht vergessen, hat der Diktator schließlich WMD.)
Man hat den Diktator gestürzt und das Volk von ihm befreit. Eine
Leistung, die natürlich nicht gewürdigt wird.
> -Die Befreiten behandelt man dann bar jedes Völker- oder Kriegsrechts
> und argumentiert damit, daß man schließlich den Diktator gestürzt und
> die Menschen befreit hätte.
“Bar jeden Völker- oder Kriegsrechts”, wie kommst du darauf? Und was
stellst du dir vor in einem Land, in dem nach wie vor Krieg herrscht,
und zwar ein Krieg der Ideologen gegen die Bevölkerung?
> Also wenn dir da keine Zweifel kommen, dann weiß ich auch nicht mehr
> weiter.
Zweifel habe ich viele. Bush ist mir suspekt, den Krieg habe ich
nicht begrüßt. Dennoch sind es eher die Amerika-Basher und
Suicide-Bomber-Bejubler, die sich der historischen Richtigkeit ihrer
Einschätzung ganz und gar sicher scheinen.
> PS: Eine Frage hätte ich gern beantwortet. Warum propagieren die USA
> Demokratie und Freiheit, obwohl sie das auf globaler Ebene strikt
> ablehnen?
Ich finde nicht, dass das so ist. Die Behauptung, die Amerikaner
wären auf globaler Ebene gegen Demokratie und Freiheit ist
selbstredend Unsinn. Daher vermute ich, dass du den ersten Teil
deines Satzes (nur der stellt eine Frage dar), nur gebildet hast, um
den zweiten los zu werden. Eine Antwort von mir erwartest du also
eher nicht.